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Samstag,
18. Februar 2017

Wenn einer eine Reise tut …  

… oder auch wenn EINE eine Reise tut, dann kann das ganz schön aufregend sein. So z.B. für meine Schwester, die uns besuchen wollte. Seit letztem Jahr gibt es ja einen Direktflug mit easyjet von Berlin nach Bordeaux (und umgekehrt). Vorher war es nur möglich, mit Air France, KLM, Lufthansa oder sonstigen Linienfliegern zu fliegen, was immer auch umsteigen in Paris, Amsterdam oder sonstwo bedeutet, und was außerdem auch alles andere als preisgünstig ist. Das ist nun anders, easyjet bietet außerhalb der Hauptreisezeiten Flüge für unter 20 € an. Solch einen günstigen Flug hat meine Schwester ergattert, einen Rückflug ebenfalls, und da das ganze so billig war, hat sie gleich noch einen billigen Mietwagen mitgebucht, um uns das Hin- und Herfahren nach Bordeaux zu ersparen. Und da der Flug recht früh morgens startete starten sollte, ist sie am Tag vorher mit dem Zug nach Berlin gefahren, wo sie ein günstiges Hotel in Flughafennähe für eine Nacht gebucht hatte. Abends in Berlin angekommen, schickte sie mir dann eine SMS mit dem Inhalt, das ihr Flug storniert worden sei. Guter Witz, dachte ich. Aber nein, es war kein Witz. Ich recherchierte im Internet und fand heraus, dass die verdi-Gewerkschaftler beschlossen hatten, just an diesem Mittwoch, dem 8. Februar, das Bodenpersonal an den Flughäfen in Hamburg, Stuttgart und eben auch in Berlin von 5 bis 11 Uhr streiken zu lassen. Meine Schwester fuhr trotzdem morgens vom Hotel zum Flughafen, wo aber logischerweise bis 11 Uhr an den Flugschaltern gar nichts passierte. Nun ist sie nicht jemand, der in solch einer Situation verzweifelt heulend zusammenbricht. Nein, es gelang ihr, telefonisch den Flug auf das nächstmögliche Datum umzubuchen. Da easyjet donnerstags nicht nach Bordeaux fliegt, war das nächstmögliche Datum Freitag. Zwei Tage in Berlin, das ist ja auch mal ganz nett. easyjet hätte ebenfalls die Übernachtungskosten übernommen, allerdings nur für eine Nacht. Blöd nur, dass wegen einer Messe in Berlin überhaupt kein Hotelzimmer zu bekommen war. Aber auch hierfür hatte easyjet eine Lösung und bot als Übernachtungsmöglichkeit Cottbus an. (!) Die Reisekosten dorthin müssten allerdings selbst übernommen werden. (!) Und während all diesem Hin und Her marschierte eine trillerpfeifende Gewerkschaftlertruppe durch die Abfertigungshalle, die voll war mit mürrischen Flugpassagieren, deren Flüge storniert worden waren, und denen gerade attraktive Alternativen wie Cottbus vorgeschlagen worden waren. Nicht, dass ich missverstanden werde: Gewerkschaften sind wichtig und höhere Lohnforderungen in diesem Fall durchaus berechtigt. Aber ich denke mal, dass keiner dieser Gewerkschaftsleute, die da trillerpfeifend durch die Halle marschierten, wirklich damit rechnen konnte, dass die mürrischen Flugpassagiere ihnen in solch einer Situation auf die Schultern klopfen und sagen, Du, ich steh da völlig hinter dir mit deinen Forderungen, und Cottbus ist doch auch ganz schön. Also zumindest ist das laut Aussage meiner Schwester nicht passiert. Inzwischen hatte sie ein junges Ehepaar, Studenten aus Hannover, kennengelernt, die das gleiche Problem hatten, sie wollten nämlich ebenfalls nach Bordeaux. Und eigentlich auch nicht bis Freitag warten. Also haben sich die drei zusammengetan und völlig umdisponiert. Sie haben auf einen Flug nach Lyon umgebucht (eigentlich kann man nur einmal kostenlos umbuchen, und das hatte meine Schwester ja schon, aber ausnahmsweise ging dann auch ein zweites Mal), von wo aus sie mit einem Mietwagen nach Bordeaux fahren wollten. Geschätzte Ankunftszeit dort gegen 22 Uhr. Natürlich ging auch dieser Flug erst später als geplant los, und die tatsächliche Ankunftszeit stand in den Sternen. Das Mietauto in Lyon stand aber glücklicherweise bereit und die drei machten sich auf den Weg. Das junge Ehepaar kam aus Tunesien, so konnte meine Schwester auf der Fahrt ihre Französischkenntnisse üben und die beiden ihre Deutschkenntnisse. Die Fahrt von Lyon nach Bordeaux führt durch das Zentralmassiv. Dort ist es zwar landschaftlich ganz schön, aber im Dunkeln kriegt man das eher nicht mit. Außerdem ist es ganz schön hoch gelegen, und es lag nicht nur Schnee dort, sondern es fiel auch noch welcher. Was die Fahrtdauer noch um einiges erhöhte, aber sie kamen dann tatsächlich mitten in der Nacht in Bordeaux an. Meine Schwester setzte die beiden jungen Leute dort ab und machte sich auf den Weg zu uns – die läppischen 60 Kilometer würde sie nun auch noch schaffen. Blöd nur, dass just in dieser Nacht die große Brücke, der Pont d’Aquitaine über die Garonne, wegen Bauarbeiten gesperrt war, und dass aber das Navi unbeirrbar versuchte, meine Schwester genau über diese Brücke zu leiten. Irgendwie, irgendwann hat sie es dann geschafft, auf die Rocade, die Stadtumgehung von Bordeaux, zu gelangen, und ist einmal um Bordeaux herum gefahren. Und dann waren die läppischen 60 Kilometer auch kein Problem mehr. Aber statt 14 Uhr kam sie dann erst am nächsten Morgen um 4 Uhr 20 an. (!) Nachdem sie auf unseren Hof gefahren war, versuchte sie noch, uns anzurufen, damit ihr jemand die Tür öffnet, aber just in dem Moment war der Handy-Akku leer. Glücklicherweise war ich eh noch wach und hatte sie gehört. Am späteren Morgen sind wir dann zum Flughafen gefahren und haben das Auto aus Lyon gegen das umgetauscht, das sie eigentlich gebucht hatte.
Tja, so spannend kann es also sein, wenn man uns besuchen will. Der Rest der Woche verlief dann aber recht unspektakulär, mit schönen Spaziergängen, schönem Essen und Trinken, schönen Gesprächen, und sonst noch viel Schönem. Nicht zu vergessen die schönen Autos.

  • 1
    Dorit
    18.02.2017
    17:08

    liebe Grüße an Ilse :hi: , DAS hatte man ihr am Telefon gar nicht angemerkt :lol:
    Was für eine Hammer-Geschichte, aber irgendwie auch wieder toll und Chapeau an Ilse´s Organisations- und Durchhaltevermögen :yes:

    Liebe Grüße,
    Dorit

  • 2
    Diane White
    03.03.2017
    13:03

    Ilse’s journey reminds me of the many awful journeys I have recently.
    Only last month whilst travelling by train we had to close all the windows to avoid the sea waves drowning us! Yes, I did say train. It was a particularly high tide due to a storm. The train line runs parallel to the coast. Pretty on a good day.

  • 3
    Barbara
    06.03.2017
    09:49

    :ohmy:

 

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