WmdedgT – April 2020

Heute ist der fünfte, und am fünften jedes Monats will Frau Brüllen immer wissen, was wir den ganzen Tag so machen. Das war bei uns zwar heute, am 20. Tag der Ausgangssperre in Frankreich, höchst unspektakulär, aber bitte schön:

Morgens um viertel vor acht werden die Hühner rausgelassen. Dann Katzen gefüttert, Hunde gefüttert, Kaffee getrunken, Haare geschnitten:

Wem wohl?

Leo hat gestern Hefeteig angesetzt, der sehr ausgiebig gegangen ist. Da es so viel geworden ist, wird der Teig nicht nur zu Brot, sondern wir müssen heute abend auch Pizza essen. Kann man ja nicht verkommen lassen.

Steh, Töpfchen!

Dann bekommen die Hühner zu Essen. Momentan bekommen sie das in ihrer Voliere und sind dabei eingesperrt, denn es treiben sich am Hühnerstall sehr viele Ratten herum. Wo Hühner sind, sind meistens auch Ratten. Die bekommen nun was anderes zu fressen, was sie hoffentlich ein wenig dezimieren wird.

Hühnerfrühstück, eingesperrt.

Dann geht Leo mit den Hunden eine Runde. Durch die Ausgangssperre sind die Hunderunden zur Zeit nicht so ausgiebig wie sonst; die Auswahl beschränkt sich meistens auf “die Strecke linksrum” oder “die Strecke rechtsrum”. Leos Strecke war heute allerdings ein wenig anders, da er Briefe einwerfen wollte, was aber nicht geklappt hat, da der Briefkasten bei uns in der Straße zur Zeit so aussieht:

Bis auf weiteres geschlossen.

Ich habe mich auch mal wieder an Hefeteig versucht, nachdem meine letzten nichts geworden sind. Aber dieser Hefezopf, den wir uns mittags haben schmecken lassen, ist super geworden, nach diesem Rezept:

Hefezopf mit Rosinen

Ich hatte vormittags bei einer der mobilen Krankenschwestern, die Leos Mutter täglich versorgt haben, angefragt, ob sie Bedarf haben an genähten Mund-Nasen-Schutzmasken. Haben sie, deshalb habe ich nachmittags angefangen zu nähen:

Schutzmasken

Dann bin ich dran mit dem Hundespaziergang. Natürlich wieder mit ausgefüllter “attestation de déplacement dérogatoire”, von denen sich inzwischen schon einige angesammelt haben, da man sie jedesmal neu ausdrucken muss und nicht mit Bleistift ausfüllen darf. Ab morgen soll es eine Version fürs Smartphone geben, ich bin gespannt.

Attestations de déplacement dérogatoire. Viele davon.

Es ist ja übrigens zum Heulen, dass jetzt, wo wir nicht rumfahren dürfen, der Sprit so billig ist wie seit Ewigkeiten nicht mehr (der Liter Diesel 1,15€) 😥. Aber wir kämen auch nach wie vor nicht weit, denn der Reifen rechts vorne verliert immer noch ständig Luft. Leo hat die Ursache gefunden: es steckt ein Nagel drin. Und einen neuen Reifen können wir momentan vergessen, da alle Werkstätten in der Umgebung geschlossen sind.

Während ich mit den Hunden unterwegs bin, sät Leo Tomaten aus:

Tomaten-Aussaat

Das Gras steht schon überall so hoch, dass die Hunde kaum zu sehen sind, nur die grobe Richtung ist an Ellys Leine erkennbar:

Hohes Gras.

Das war’s auch schon für heute. Leo hat gerade die Hühner wieder eingesperrt und wird gleich die Pizza in den Ofen schieben. Als Ersatz für ein Pizza-Foto ist hier noch eins von unserer Quitte im Abendlicht, sie blüht gerade wunderschön:

Quitte

Tag 14

Ich weiß ja nicht, ob das auf dem Foto zu erkennen ist – also die windzerzauste Taube vermutlich schon, die meine ich auch nicht, sondern das, was da um die Taube herumfliegt, das ist nämlich SCHNEE! Heute morgen hat es geschneit! Richtig ekelig war es, knapp über null Grad, außerdem sehr windig. Der Schnee wurde dann nachmittags zu kaltem Regen. Nicht schön.

Die Ausgangssperre hier ist verlängert worden, das war ja abzusehen. Die Einschränkungen gelten jetzt zunächst bis zum 15. April.

Nur ein paar Kilometer von uns entfernt gibt es einen Spargelanbau-Betrieb (habe ich glaube ich schonmal erwähnt). Heute abend haben wir den ersten Spargel dieses Jahres genossen:

Tag 10

Wir haben hier schönsten Frühling mit blauem Himmel und Sonnenschein, die Vögel zwitschern und die Kröten quaken – aber trotzdem ist es still, stiller als sonst, als “vorher”. Es sind merklich weniger Autos unterwegs und es laufen kaum Leute auf der Straße herum. Seit dem 16.03. sind Schulen, Vorschulen und Universitäten geschlossen. An dem Tag haben wir noch Kinder draußen gehört, die “vacances, vacances” gekreischt haben, “Ferien, Ferien”, aber inzwischen kreischt keiner mehr. Tag 10 der Ausgangssperre.

Es sind auch alle Geschäfte geschlossen, in denen nichts Lebensnotwendiges verkauft wird, das heißt: Supermärkte sind weiterhin geöffnet, sowie Apotheken, Banken und Tabac-Läden.

Seit dem 23.03. sind die Ausgangsbedingungen verschärft worden, man darf das Haus jetzt nur einmal täglich für maximal eine Stunde verlassen und sich nicht weiter als einen Kilometer von zuhause entfernen. Seitdem gibt es auch einen neuen “Passierschein”, auf dem nun unter anderem die Uhrzeit angegeben werden muss, zu der man das Haus verlassen hat. Wer keinen Schein dabei hat, zahlt 135 €, und wenn man zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen erwischt wird, kostet es 1.500 €. Gestern ist ein Polizist an den Folgen seiner Erkrankung mit dem Coronavirus gestorben, woraufhin heute von der Polizei gedroht wurde, dass die Kontrollen nicht weiter durchgeführt werden, wenn den Polizisten nicht genügend Schutzmasken zur Verfügung gestellt werden.

Die Situation zur Zeit ist irgendwie so irreal. Nie im Leben hätte ich mir vorstellen können, das Haus nicht ohne triftigen Grund verlassen zu dürfen. Ständig gibt es Neuigkeiten über einen weiteren Anstieg der Anzahl der Betroffenen, über weitere Tote, und Berichte über Krankenhäuser, die an die Grenzen ihrer Kapazitäten kommen. Ziemlich besorgniserregend, um nicht zu sagen beängstigend.

Testweise habe ich eine Mundschutzmaske genäht (bzw. zwei). So einfache Stoffmasken sind ja kein wirklicher Schutz, aber ich weiß nun, wie es geht, und kann welche herstellen. Also, wenn jemand Bedarf hat …

Die Facebook-Gruppe der Einwohner von Cissac, in der sonst viel Blödsinn zu lesen ist, dient momentan auch als Informationsmedium, dort ist zu erfahren, ob Bäcker, Supermarkt oder Post noch geöffnet sind und zu welchen Zeiten, denn alle haben die Öffnungszeiten sehr eingeschränkt. Außerdem kann man in der Gruppe zur Zeit täglich Live-Konzerten eines Country-Duos aus Cissac beiwohnen. Wir kannten die vorher gar nicht, haben nur manchmal einen Autoanhänger mit der Aufschrift “Leslie Ryan” in einem Vorgarten im Ort gesehen und uns gefragt, wer oder was ist Leslie Ryan? Nun wissen wir es. Die Konzerte finden in Leslies Wohnzimmer statt, und es ist immer witzig, wenn mitten in einem Lied die Tür aufgeht und Leslies kleiner Sohn reinkommt und irgendwas will.

Allerdings gibt es auch Schwachköpfe in dieser Gruppe, die offensichtlich nicht kapiert haben, dass es nicht verboten ist, kurz allein (oder mit jemand aus dem gleichen Haushalt) spazieren zu gehen. Eine Frau hat aus ihrem Garten heraus zwei Spaziergänger gefilmt und beschimpft, sie sollten zuhause bleiben, und dieses Video dann öffentlich gemacht.

Noch ein paar unsortierte Meldungen:

Damit es keine Lieferengpässe gibt, wird seit dem 18.03. in Apotheken nur noch eine Schachtel Paracetamol pro Patient ausgegeben.

Der Sender Canal+, ein Bezahlsender, sendet während der Zeit der Ausgangssperre sein Programm unverschlüsselt. Das las ich und dachte, wie schön, da können wir ab und zu mal nette Filme sehen. Wir nahmen das zum Anlass, endlich mal zu erforschen, warum das französische TV bei uns seit kurzem nicht mehr funktioniert. Die Lösung war simpel, es war einfach der Scart-Stecker aus der Empfangsbox gerutscht. Allerdings funktionierte es auch mit eingestecktem Stecker nicht, der Sender blieb verschlüsselt. Auch dafür habe ich dann eine Lösung gefunden: das unverschlüsselte Angebot gilt nur für Leute, die über eine Internetbox Fernsehen schauen, und nicht wie wir über Antenne. Dann eben nicht.

Der Sender M6 sendet seit dem 23.03. jeden Nachmittag Weihnachtsfilme. Also sowas wie Sissi. Na, ich weiß ja nicht … Ich las dazu den treffenden Kommentar “Die wollen, dass wir uns alle umbringen !”

Die Anzahl von Hunden und Katzen, die abgegeben oder ausgesetzt werden, ist hier in der letzten Zeit enorm angestiegen, da manche Leute sich nicht von ihrem irrigen Glauben abbringen lassen, dass Haustiere das Coronavirus übertragen.

Unsere Tierärztin ist für Notfälle weiterhin da. Allerdings soll man die Praxis nicht betreten; die Tiere werden aus dem Auto abgeholt und anschließend wieder nach draußen gebracht.

Die Post wird jetzt nur noch mittwochs, donnerstags und freitags ausgeliefert.

Da wir in den letzten Tagen gar nicht einkaufen waren, hat Leo Baguettes gebacken. Sie sind ganz hervorragend geworden und schmecken auch nach zwei Tagen noch gut:

In den Blumenbeeten neben dem Weg zum Garten blüht es sehr schön. Ich habe nicht bewusst irgendwas dorthin gepflanzt, die Blumen müssen wohl aus der Samenmischung sein, die ich im letzten Jahr da verteilt habe:

Hier mal aus der Nähe. Ich vermute, es sind Verbenen – oder weiß es jemand besser? :

Auf unserer momentanen Standard-Spazierrunde kommen wir an einer Pferdeweide vorbei. Das Pferd, das da wohnt, hatte im Winter einen Mantel an, und seit ein paar Tagen nicht mehr. Das Fell sieht jetzt witzig aus, als ob ein Mantel draufgemalt wäre:

Im Garten sind die ersten Feigen zu sehen:

Bleibt gesund, liebe Leserinnen und Leser!

Nicht ohne meinen Passierschein

Vor zehn Tagen habe ich mich hier ja eher scherzhaft über die Auswirkungen des Corona-Virus ausgelassen. Inzwischen hat sich die Situation in Frankreich verschärft, worüber wohl auch in Deutschland berichtet wurde. Gestern abend hat sich Monsieur le Président zum zweiten Mal in dieser Woche an seine “compatriotes”, seine Landsleute gewandt. Die zwanzigminütige Rede wurde im Fernsehen übertragen, und auch im Radio, was wir in der Küche sitzend verfolgt haben. Zum Anfang und zum Ende der Rede wurde sogar die Nationalhymne angespielt. Herr Präsident hat sein Unverständnis darüber ausgedrückt, dass der Appell in seiner letzten Rede, zuhause zu bleiben, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, offensichtlich vielfach ignoriert wurde. (Ich finde das auch unverständlich.) Daher gelten seit heute Mittag andere Regeln. Er hat in seiner Rede das Wort “confinement”, also Ausgangssperre, zwar nicht wörtlich benutzt, aber wir haben nun eine. Man darf noch zur Arbeit fahren/gehen, sofern es nicht möglich ist, die Arbeit von zu Hause aus zu erledigen, man darf einkaufen, man darf aus gesundheitlichen Gründen das Haus verlassen, um z.B. zur Ärztin/zum Arzt zu gehen, man darf dringende familiäre Sachen erledigen, und man darf das Haus verlassen, um z.B. zu Joggen oder auch Hunde spazieren zu führen, aber nur alleine, nicht in Gruppen! Für alle diese Aktivitäten muss man sich vorher dieses Attest herunterladen, ausfüllen und mit sich führen:

Wobei, wenn ich die Hunde spazierenführe, ist es ja wohl offensichtlich, was ich tue, und ich glaube auch eher nicht, dass die Gendarmerie durch Wälder und Weinfelder fährt, um eventuelle Spaziergänger auf ausgefüllte Atteste zu überprüfen – aber sei’s drum, ich werde mir den ausgefüllten Zettel in die Hosentasche stecken.

Und sonst so:

· Der örtliche Bäcker hatte heute vormittags um elf kein Brot mehr.

· Der Hundeclub hat natürlich auch geschlossen, will aber jede Woche per Mail Übungen schicken, die man mit dem Hund machen kann.

· Eine Zeitung titelte “Arrivée massive de Parisiens sur nos côtes”, also: Viele Pariser, die ein Zweithäuschen irgendwo an der Küste haben, machen sich dorthin auf. Nicht so ganz im Sinne der Verlangsamung der Ausbreitung des Virus …

· Wie ich gerade gelesen habe, gehen jetzt, zusätzlich zu den Hamsterkäufen, die Hamster-Bevorratungen mit Benzin los. Tja, wir werden wohl kein Benzin brauchen, denn weite Strecken werden wir sowieso nicht fahren können, da unser rechter Vorderreifen ständig Luft verliert:

Werkstätten sind zwar geöffnet, aber unsere Reifengröße muss der “garagiste” hier im Ort bestellen. Darum werden wir uns die nächsten Tage mal kümmern müssen. Muss sowas gerade jetzt passieren?

Um uns das Leben ein wenig zu versüßen, habe ich mal wieder ein neues Rezept ausprobiert und diese Brownies gebacken – sie sind wirklich oberlecker!

12 von 12 im März 2020

Zwölf Fotos vom zwölften Tag des Monats zu zeigen, darum geht es bei der Aktion 12 von 12 bei Caro. Hier sind unsere 12, angefangen mit den wunderschön blühenden und duftenden Hyazinthen im Garten.

Jacques war hier im Blog schon länger nicht mehr zu sehen, deshalb gibt es von ihm auch mal wieder ein Foto – er wartet gerade aufs Frühstück:

Jacques

Da die Hecke und die Bäume im letzten Jahr nicht beschnitten wurden, haben sie das Olivenbäumchen arg bedrängt, weshalb es völlig quer gewachsen ist. Jetzt hat Leo Hecke und Baum gestutzt und das Bäumchen (das eigentlich schon ein Baum ist, er ist größer als ich) mit einem Gurt, der in der Erde befestigt ist, gerade gezogen, auf dass es wieder nach oben wächst:

Olivenbäumchen

Dann ein Mittagssnack.

Croissant mit Mango-Kiwi-Marmelade

Nachmittags wollten wir den Wocheneinkauf mit einem Spaziergang verbinden und sind ans Meer gefahren, das erste Mal in diesem Jahr. Wir waren in Montalivet. Es war Flut mit sehr hohen Wellen, vom Strand war so gut wie nichts zu sehen.

Bei Montalivet

Wir sind etwas weiter nördlich gefahren. Dort war zwar auch kein Strandspaziergang möglich, aber auf der anderen Seite der Düne führen Wege in den Wald, rechts im Foto zu sehen:

Der Weg führt nach einigen hundert Metern zu einem Campingplatz, auch viele schmale Mountainbike-Wege sind dort. Da kein Mensch weit und breit unterwegs war, kamen wir keinem Mountainbiker in die Quere.

Viele der Bäume sind sehr skurril gewachsen bzw. vom Wind umgeknickt:

Unmengen von Pinienzapfen gibt es dort, an den Bäumen und auf der Erde:

Pinienzapfen

Und überall blühender Ginster:

Ginster

Sehr schön war’s.

Dann noch einkaufen.

Ja, die haben hier auch Sonntags geöffnet.